Dienstag, 22. April 2014

Findling #2: Lana Del Rey, Taylor McFerrin, Ωracles


Ja, der Nachwuchs darf auch mal wieder dran. Nach der letzten, quasi durchgängig von positiver Resonanz zeugenden Runde gibt es diese Woche auch mal einiges an Kritik. Ob sich diese gegen Lana Del Reys neuste Single, den neuen Brainfeeder Signing Taylor McFerrin oder gar gegen die noch frische Hamburger Band Ωracles richtet, erfahrt ihr schon beim lesen.

Lana Del Rey - West Coast


Oh, das ist lässig, da schleicht wer und möchte doch entdeckt werden. Klopfwirbel! Warum? Wegen der Frau? Bis die Stimme anfing zu wackeln, klang sie nur nett. Auf einmal aber wackelt sie immerzu, das ist anfangs hübsch, geht aber immer so weiter. Dezent, doch permanent. Verstehe das mal wer. Klagt sie wen an, leidet sie? Der Text könnte es sagen... ah, jetzt wird es anders. Macht die Sache aber auch nicht aufregend. Jetzt wird wieder geschlichen, mit Ansage! Das soll wohl geschmeidig sein, so geschmeidig wie... Seide auf der Wäscheleine, und zwar einer grünen, aus Gummi, mit Plastikklammer festgesteckt und gleich daneben ist der Klammerbeutel, so mit Blumen drauf... Neulich sah ich einen, deshalb kommt mir das in den Sinn. Ah, das Lied läuft noch. Ich kenne keine Menschen mit Klammerbeuteln, aber falls, dann würde ich sie fragen, ob sie damit auch Seide aufhängen. Ah, das Lied ist vorbei. Nein, nein, das war nichts.


Taylor McFerrin feat. Nai Palm - The Antidote


Sirren! Sirren ist schön, Klappern, Sirren, jetzt Klopfen, das könnte lustig werden. Wird es aber nicht. Ist auch okay. Was da wohl alles bewegt wurde, damit's all die Geräusche gibt? Wer da wohl singt? Und worüber? Etwas Wichtiges, vielleicht ein wichtiges Märchen? Hui, gesprochene Worte, schnell gesprochen! Das wäre dann eine ernste Geschichte. Und ich dachte schon, das sollte einlullen. Jetzt auch noch neue Geräusche, quakig, aber elegant. Und wieder die Frauenstimme, die ja doch mehr als säuseln kann, ohne gleich schreien zu müssen. Och... schon vorbei? Schade. Das höre ich doch gerne mal wieder, da kam ich kaum zum Tippen, so viel gab's zu hören (Es wird simultan getippt, ist die Musik zu interessant, komme ich nicht zum Schreiben.) Denkt man sich so ein Sirren und Singen aus? Probiert man rum? Zolin, hier habe ich Fragen!


Ωracles - Gazing From Without


Krchh-bing-bloing! Da drehen sich doch Räder... und nun läuft das Gerät geschmeidig. Wo geht's wohl hin? Warum wird hier etwas erzählt? Muss denn immer gesungen werden? Die Musik war doch grad so fein, ich saß bereits im Sattel, sozusagen und nun quatscht noch jemand von der Seite und will mir irgendwas sagen, aber das Pferd... nein, Pegasus, Pega, wie ich es nennen darf (Nur ich!) scharrt schon mit den Hufen. Jetzt sagt er noch was anderes. Nehmen sich Musiker so wichtig, dass sie zu allem singen müssen? Oder ist das einfach so Brauch? Juchhu, Gesang weg! Neue Geräusche, ein wenig, als würde man von Wolke zu Wolke springen... und schon wieder die Stimme! Manno, Pega ist voll gut drauf, das Wetter schön und ständig sagt einem wer, man solle sich auch gut festhalten... Mann, Pega und ich kriegen das auch alleine hin! Und Pega war hier die Musik, das bedeutet dann: gutes Lied, feine Musik (gleichzusetzen mit Pega) nur dieses Singen immerzu... Auf, Pega! Schnell weg hier.

Montag, 21. April 2014

Review: Trust - Joyland


Als Rezensent hat man es generell einfacher, wenn man über ein Album sprechen kann, welches in irgendeiner Weise aus dem restlichen und nebenbei bemerkt gigantischen Berg an Veröffentlichungen heraussticht. Dabei ist es grundsätzlich egal in welcher Weise dies geschieht. Ein Album mag besonders gut, besonders schlecht oder einfach nur besonders sein, es hilft auf jeden Fall, die Musik mit Worten beschreiben zu können, die wie auf das entsprechende Album zugeschnitten zu sein scheinen. Vor allem Bands aus den zahlreichen Revival-Szenen haben es da schwer, nicht andauernd mit meist bereits lange vor ihrer Zeit gefeierten Gruppen verglichen zu werden. Trust sind eine dieser Bands, welche viele Elemente bereits bestehender Genres direkt übernehmen. Das kanadische Synth Pop-Projekt, welches mittlerweile nur noch aus einer Person, Robert Alfons, besteht, kombiniert Depeche Mode und Gothik Pop/Rock zu einer durchaus tanzbaren Mischung, die gerade Nostalgiker, welche in der Ära der synthetischen Pop-Musik und dunklen Klamotten zu Hause sind, zum Hören antreiben sollte.

Ihr neues Album Joyland versucht nun zusätzlich zur Nostalgie auch noch einen gewissen Club-Einfluss mitschwingen zu lassen. Der Opener Slighty Floating macht genau das und zwar auf ätherischen Ambient-Eisbahnen und mit maximalem Effekt gehauchten Vocals. Geryon faltet diese Atmosphäre aber schnell wieder zusammen und zieht auf quäkenden Synthesizern in den Kampf. Alfons' Vocals hingegen klingen eher nach einer Mischung aus Til Lindemann, angetrunkenem DJ, der ins Mikrofon nuschelt und jemandem, der gerade von einer Frau an der Bar abgewiesen wurde. Der Titeltrack hingegen versucht einen Querschnitt aus (düsterem) Eurodance und One-Hit Wonder-Vocals und lässt den Hörer dabei zwangsläufig an ein amateurhaftes Musikvideo denken, in dem die Protagonistin viel zu überzogen mit den Armen vor ihren Gesicht herumwackelt. Die männlichen Zwischenrufe, die an Aqua's Hit Barbie Girl erinnern, erledigen den Rest und schaffen es aber trotzdem, einen recht eingängigen und im Kopf bleibenden Pop-Song zu bewerkstelligen.

Die Highlights des Albums sind nach dem ersten Durchgang schon gefunden. Rescue, Mister und vor allem Icabod sind all das, was man schon in den 80ern sowohl in der gewöhnlichen Disco als auch im Szene-Club gerne gehört hätte. Mit ihren pulsierenden, sich wie Neonlichter in den Kopf brennenden Momenten sind diese Songs gleichzeitig warm, einladend und auf vielen Playlisten willkommen, aber auch eisig, einsam und wie dieser eine Typ, der auf Parties alleine auf einem Stuhl sitzt und alle, die ihn angucken, mit einem starren Blick schnell wieder loswird. Rescue, Mister's Frage „Is he gonna fright me?“ dürfte da mit einem klaren „durchaus“ beantwortet werden. Wenn Trust aber keine Hits schreiben, fällt es schwer, dem Album etwas abzugewinnen. Das Songwriting beschränkt sich meistens auf eine Melodie, die den ganzen Song hinweg durchgezogen wird und einen Chorus, der mal mehr, mal weniger nach mehr Ausarbeitung schreit. Alfons' Vocals klingen je nach Song durchaus anders, mal verängstigt, mal einschüchternd und mächtig, mal einfach nur nach Dave Gahan. Es wird viel gemurmelt, Worte werden verschleiert und irgendwann wünscht man sich die ein oder anderen Worte, die man begeistert mitgröhlen kann.

Tanzbar und klingen wie das Albumcover war wahrscheinlich diesmal das Ziel von Trust, aber wie man diesem Review vielleicht schon anmerkt, präsentiert sich das Album bis auf zwei oder drei Songs von einer Seite, die zwar ihrem Stil über die gesamte Laufzeit treu bleibt, aber nicht genug Kreativität hat, etwas Großes aus diesem zu zaubern. 50 Minuten ist Joyland lang, und 50 Minuten kommen noch länger rüber als sie sowieso schon sind, wenn sie mit Gemurmel, einseitigen Sounds und vor allem wenig Denkwürdigkeit und dafür mit um so mehr Leerlauf gefüllt sind. Leider bleibt Joyland unterm Strich ein Revival-Versuch, der bis auf einige Momente genau das tut, was er eigentlich vermeiden sollte: die Originale unentbehrlich machen.


1. Slightly Floating
2. Geryon
3. Capitol
4. Joyland
5. Are We Arc?
6. Icabod
7. Four Gut
8. Rescue, Mister
9. Lost Souls/eelings
10. Peer Pressure
11. Barely

Zolin sagt: 4 von 10



Sonntag, 20. April 2014

Video der Woche: Celo & Abdi feat. SSIO - Nur Noch 60 Sekunden



Dass Celo & Abdi, natürlich neben Haftbefehl, die sowohl bekanntesten als auch qualitativ hochwertigsten Vertreter des Azzlack-Camps sind, steht sicherlich außer Frage. Doch gerade das letztes Jahr auf dem DCVDNS Album erschienene Feature Frankfurter Zoo hat erst untermauert, wie bewandert die beiden sogar in Sachen Storytelling sind. Nur Noch 60 Sekunden, der erste Vorbote ihres bald erscheinenden zweiten Albums Akupunktur, schließt genau dort an.

Verstärkung haben sich die beiden dafür nicht nur bei dem großartigen SSIO geholt, sondern haben auch die Rollen in der visuellen Umsetzung des Tracks prominent besetzt. Zum einen wäre da die aus Iron Sky bekannte Julia Dietze, zum anderen der mittlerweile scheinbar von McDonalds zu Hollywood rumspringende Moritz Bleibtreu. Das Video selbst kommt dementsprechend ambitioniert daher. Der Hauptstar des Videos ist aber tatsächlich der Track selber, der schon gut Bock auf's Album macht. Hoffentlich kann Akupunktur dann das hohe Niveau halten.

Samstag, 19. April 2014

Review: Moon Zero - Tombs + Loss


Denovali Records aus Bochum, auch bekannt als deutscher safe haven für experimentelle und ambiente Musik, haben schon den ein oder anderen dicken Brocken an Land gezogen, seien es Metalkracher wie Celeste oder Omega Massif, Ambient-Größen wie Bersarin Quartett oder die jazzigen Grusel-Experten vom Kilimanjaro Darkjazz Ensemble beziehungsweise The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Labels wie Denovali gibt es nur äußerst selten, und beiden Inhabern muss die Musik gefallen, damit ein Künstler über das Label seine Veröffentlichungen der wartenden Hörerschaft bereitstellen kann. Moon Zero, das Ambient-Projekt vom Londoner Musiker Tim Garratt ist einer der neuesten signees des Labels und gleich veröffentlicht es seine bisher nur auf Tape erhältliche Debut-EP und sein neuestes Werk gleichzeitig. Was steckt dahinter?

Tombs, die erste der beiden Eps, zeigt sich schon mit seinem Opener Dalyan von einer sehr starken und überzeugenden Seite. Während ein wie ein verrostetes Zahnrad klingendes Schaben konstant im Hintergrund arbeitet, legt sich langsam aber sicher ein droniges Betttuch über das Stück, ehe Klänge wie kalter Wind labyrinthartige Räume durchstreifen und anschließend von den letzten Zuckungen elektronischer Pulsadern verschluckt werden. Dazu klingt das Ganze noch nach einer alten Fabrikhalle und voilà: schon hat man einen fesselnden Ambient-Track, der dem Hörer lange im Gedächtnis bleiben wird. Shadow Den hingegen klingt mehr wie ein verstaubtes Apartment, in welches schon viel zu lange kein Licht hineingelassen wurde und sorgt, genau wie Endless Palms, für eine geisterhafte Stimmung, welche durch stark bearbeitete Orgelklänge hervorgerufen wird und Stimmen aus dem Jenseits nicht nur wieder erweckt, sondern quicklebendig erscheinen lässt.

Loss begibt sich auf ähnliche Pfade, zeigt aber gleichzeitig dass ein höheres Budget für Ambient-Musiker durchaus von Vorteil sein kann. Aufgenommen in einer Kirche zeigt sich die verwahrloste und einsame Atmosphäre noch weitaus besser als auf Tombs. Während Youth noch einen eher klassischen Ambient-Cut darstellt, ist Nosema Caranae's fragiles Orgel-Spiel, welches von elektronischen Adern durchzogen wird klar von Tim Hecker, vor allem dessen neusten Werken, inspiriert, schafft es aber ohne Probleme das gleiche Niveau darzubieten. The Industrial Sadness hingegen geht eher in Richtung Industrial. Ein Beat, der wie ein verkrustetes, maschinelles Herz ohne Pause durch alte, tropfende Rohre gepumpt wird, trifft auf trauernde Stimmen, die klingen, als könnten sie das Ableben dieses Herzens nicht verkraften. Gegen Ende bauschen sich all diese Elemente so lange auf, bis eine Hochfrequenz wie ein Wecker durch das industrielle Brachland peitscht und dem Hörer auf den letzten Schritten nochmal alles abverlangt. Gerade einmal knapp 24 Minuten dauert diese Reise und trotzdem wird sie unvergesslich bleiben.

Mit nur zwei Eps hat es das Projekt Moon Zero schon geschafft, unvergessliche Musik irgendwo zwischen Ambient, Drone, Industrial und sehr viel eigenen Ideen zu machen, die Genrekennern das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen müsste. Vor allem Loss ist ein undurchdringbarer Brocken an Atmosphäre und Schauer auf dem Rücken sind garantiert. Jedes Jahr veröffentlichen unzählige kleine Projekte ihre Musik in das große und raue Meer der Hörerschaft und Moon Zero ist eines dieser, welches mit Sonnenschein und warmen Temperaturen am anderen Ende empfangen werden sollte.


Tombs:
1. Dalyan
2. Endless Palms
3. Winter Dreams
4. Shadow Den

Zolin sagt: 7 von 10

Loss:
1. Youth
2. Nosema Caranae
3. Lara Witchcraft
4. The Industrial Sadness

Zolin sagt: 8 von 10



Freitag, 18. April 2014

Review: Impetuous Ritual - Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence


Wer anno 2014 immer noch behauptet, Extreme Metal sei ein stagnierendes Genre, dem sei ein Trip nach Australien wärmstens ans Herz gelegt. In jenem fernen Land der Extreme hausen nämlich nicht nur die giftigsten Schlangen, gruseligsten Spinnen und tödlichsten Haie, sondern auch die extremsten Metal-Bands. Egal ob zum Selbstmord anregende Depressive Bands à la Austere und Drowning The Light oder roher, geisteskranker Death Metal wie die kultigen Sadistik Exekution, dort ist man in jedem Fall versorgt! Und als wäre das alles nicht genug, hat der schwarzmetallige Sumpf Australiens innerhalb der letzten zehn Jahre einen neuen Teufelskurs eingeschlagen, dem auch Impetuous Ritual angehören.

Ein Kurs, der dem aufmerksamen Underground-Musikliebhaber am ehesten verkörpert von den prominenteren Portal vertraut ist: Death-und Black Metal herrschen vor, und zwar in der unbarmherzigsten, aberwitzigsten Form, in der man sich diese an sich schon extremen Subgenres vorstellen kann. Im Gegensatz insbesondere zu den traditionelleren Black Metal Vertretern ist bei diesen Bands die Produktion hochwertig, wodurch der auditive Terror sogar intensiver wirkt. Nichts anderes als das möchten Impetuous Ritual auf ihrem zweiten Album Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence beschwören. In Sachen makaberem Humor kommen sie an die verwandten Portal, die live gerne mit einem Kuckucksuhr-Helm auftreten, schon mal ran.

Was den auditiven Terror angeht, brauchen sich Impetuous Ritual ebenfalls nicht zu verstecken. Vor allem den zweiten Track Venality in Worship liest sich wie ein Lehrbuch des australischen Extremmetals. Inhumane Vocals besingen furiose, knüppelharte Riffs zu tyrannischen Schlagzeug-Rhythmen. Wen die Drums nicht erschlagen haben, der wird spätestens von den perdiden Gitarrensoli dahingerafft. Chaotisch könnte man die „unheilige Kongregation heuchlerischer Ambivalenz“ nennen, doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass mit Chaos kein heilloses Gedresche gemeint ist. Schließlich steckt eine gezielte böse Intention hinter dem Ganzen.

Mit Recht kann man Impetuous Ritual ab jetzt zu den Großmeistern des Bösen zählen. Vergessen sind die Tage, da man in ihnen lediglich ein Nebenprojekt Portals sah! Zugegebenermaßen lag der Gedanke damals nicht fern angesichts des wesentlich schwächeren Debüt-Albums sowie der Tatsache, dass die beiden Bands zum Teil aus den selben Mitgliedern bestehen. Unholy Congregation of Hypocritical Ambivalence hat Impetuous Ritual den umfassenden Feinschliff gebracht, der nötig ist, um von einem Fall für die Kuriositätensammlung zu einer allgemein respektierten Extremmetal Formation aufzusteigen.


1. Verboten Genesis
2. Venality In Worship
3. Sentient Aberrations
4. Despair
5. Inservitude Of Asynchronous Duality
6. Womb Of Acrimony
7. Metastasis
8. Abhorrent Paragon
9. Blight

Zolin sagt: 8 von 10