Sonntag, 19. Mai 2013

Video der Woche: Kanye West - New Slaves



Normale Videopremieren im Fernsehen oder im Internet? Zu langweilig für Kanye West. Außerdem können sich ja so immer noch Leute Kanye West entziehen. Seine große Idee ist also, ganze 66 Mal sein Video an öffentlichen Fassaden komplett über die Welt verstreut uraufzuführen. Die hier gefilmten Aufnahmen zu New Slaves, so der Titel des neuen Tracks, stammen von einer Hauswand in Brooklyn. In Berlin wurde unter anderem das Universal Gebäude mit Hilfe von Pick-up Jeeps anprojiziert.

Abseits der erfrischenden Idee ist aber auch der Track mal wieder wahrlich grandios. Es scheint alles darauf hinzuweisen, dass der geniale Beat vom ehemaligen WARP- mittlerweile Kanye West -Zögling Hudson Mohwake produziert wurde. So spielte Hudson Mohawke den Track erstmals bei einem Set in Polen vergangene Woche. Kanye selbst spittet mal wieder böse Lines in Höchstform. He's still an angry man.

UPDATE: Das Video sowie alle anderen Aufnahmen wurden mittlerweile leider entfernt. Hier gibt's immerhin noch einen kurzen Vine Ausschnitt und eine ganze Performance des Tracks bei SNL.




2135194114 von YardieGoals

Samstag, 18. Mai 2013

Review: Dexter - The Trip


Boom-Bap boomt. In Deutschland insbesondere durch das Kölner Label Melting Pot Music und seine Zupferde Suff Daddy, Brenk und Dexter. Während Suff Daddy mittlerweile kaum mehr aus dem allgemeinen Beatverständins durch seine überragenden Alben wie Suff Sells wegzudenken ist und Brenk mittlerweile sogar Beats für die große Legende aus Compton MC Eiht produziert hat, war Dexter auch nicht unfleißig. Er veröffentlichte schließlich schon einen Beitrag zur Hausinternen Reihe Hi-Hat Club namens The Jazz-Files und letztes Jahr gemeinsam mit Morlockk Dilemma eine EP mit dem nicht minder programmatischen Titel Weihnachten Im Elfenbeinturm. In der Zwischenzeit produzierte Dexter mal eben den einzig wirklich annehmbaren Beat des Cro Debüts und den unbestreitbar besten Beat von Caspers XOXO und übte - und das ist kein Scherz - seinen Beruf als Kinderarzt weiter aus.

Denn wer hätte schon gedacht, dass a) Boom Bap-Beats in Deutschland ein so großes Revival feiern und b) Dexter zu der Speerspitze dieser Bewegung gehören würde. Darum wird ihm wohl keiner diese Entscheidung hinterfragen oder gar verübeln, zumal es ja eh ein sehr ehrbarer Beruf ist. Aber kommen wir nochmal zurück auf Dexters bisheriges Schaffen: Außerhalb von Dexters Auftragsarbeiten fällt nämlich auf, dass seine beiden vorherigen Alben, zählen wir Weihnachten Im Elfenbeinturm einfach mal als solches, konzeptuell gedacht sind. Dadurch entsteht besonders bei seinen Jazz-Files, für die er übrigens nur Ausschnitte aus Jazz-Stücken, Dokumentationen und Filmen verwendete, der Eindruck, man höre gerade ein Hörbuch, das einem bis ins kleinste Detail von der bearbeiteten Zeit erzählt. Kein Wunder also, weshalb sein Beitrag des Hi-Hat Clubs als einer der großen Meilensteine des Boom-Baps gilt.

Doch das ist nun mittlerweile auch schon drei Jahre her. Zeit also, dass Dexter mal wieder zu einem ähnlich großen Schlag ausholt. Dieser große Schlag trägt den Titel The Trip und ist ähnlich wie seine Jazz-Files aufgebaut. Nur mit dem Unterschied, dass dieses Mal eben nicht der Schwerpunkt auf der verruchten Jazzzeit liegt, sondern Dexter uns dafür in seinen VW-Bus verfrachtet und uns auf eine Reise zurück in die Swingin Sixties mitnimmt. Auf der Reise begegnen wir Peter Fonda, schauen einer Hippie Revolte zu und bekommen feinste Blunts gedreht. Dass wir mittlerweile etwas benebelt sind kommt aber nicht nur durch das, was wir zu erleben scheinen, nein, allein Dexters feinste psychedelische Beats mit den nie unpassenden Samples sind dafür verantwortlich.

Unweigerlich fühlt man sich während des Hörens des Albums an The Alchemist letztes Jahr veröffentlichtes Russian Roulette erinnert, bei dem der Live DJ von Eminem noch einen Schritt weiter als Dexter ging und nur russische Progressive-Songs der frühen 70er Jahren sampelte und zusätzlich auch noch den einen oder anderen Rapper darüber rappen lies. Die Tatsache, dass Dexters The Trip bis auf das grandiose Pictures und die Samples instrumental bleibt, ist vielleicht der einzige Makel, den man Dexter ankreiden möchte. Schließlich gelang es The Alchemist ja auch trotz Gastrapper die entsprechende Atmosphäre einzufangen. Dass das Meckern auf hohem Niveau ist, ist natürlich klar. Dexters The Trip ist wahrscheinlich eine der intensivsten Erfahrungen, die Boom-Bap liefern kann.


1. Once Again Back (Tune In)
2. San Francisco H feat. DJ Adlib
3. Walk With Us
4. Psychedelic Club Scene
5. Witch/Room
6. Rainbow Flight
7. Teenage Mother
8. Cupcakes
9. With Ease
10. Hippie Revolt (Turn On)
11. You & I
12. Roll It, Light It, Suck It
13. Dexy Lovecraft
14. Clouds Of Zero
15. Acido (Heavyyy)
16. Never Knew
17. Pictures feat. Josa Peit
18. Summerdays (Drop Out)

Zolin sagt
: 8 von 10



Freitag, 17. Mai 2013

Mellis: Two Gallants + Mozes & the Firstborn im Zakk, Düsseldorf den 13.05.2013


Irgendwo zwischen Folk und Punk, zwischen Schrammelgitarren und Mundharmonika, dort findet man Adam Stephens und Tyson Vogel: Two Gallants aus Kalifornien. Vogel am Schlagzeug, Stephens mal an der Gitarre, mal am Keyboard und mal an der Mundharmonika. Zum Auftakt ihrer Deutschlandtour spielte das Duo im Düsseldorfer Zakk – und wusste zu überzeugen.

Doch zunächst gab’s netten Garagenpop aus den Niederlanden. Für die (sehr) jungen Mozes & the Firstborn war es das erste Konzert im Vorprogramm der zwei Galanten. Nervosität? Fehlanzeige. Ihre Gelassenheit passte wunderbar zu der entspannt lockeren Popmusik. Und nachdem jedes Bandmitglied eine nette Geschichte erzählen durfte, gab es mit ihrer ersten Single I got skills auch noch einen Ohrwurm für den Heimweg.

Dass Two Gallants sich seit Kindestagen kennen, merkt man ab dem allerersten Ton, den das Duo auf der Bühne zum Besten gibt: die Zwei harmonierten ganz wundervoll. Die Gitarre, das intensive Schlagzeugspiel von Vogel und die unvergleichliche Stimme von Stephens sorgten für einen tollen Klang, viel Gänsehaut und riefen gelegentliches Fußwippen und teilweise sehr ausgelassenen Ausdruckstanz im Publikum hervor.

Das Set – eine gelungene Zusammenstellung der vier Studienalben der Band. Von erstaunlich schönen bis wunderbar aufwühlenden Songs. Irgendwo zwischen laut und leise. Souverän, professionell und schnörkellos – ohne die Stimmung der Songs durch zu viel sinnloses Gerede zu verderben.

Nach dem Konzert hallen die Zugaberufe noch zehn Minuten, nach dem die Band die Bühne verlassen hat, durch das Zakk. Nach einem denkbar schüchternen "Thank you for staying with us"spielen die Two Gallants mit Nothing To You zu guter Letzt den schönsten Song eines entzückenden Abends.



Two Gallants - Nothing To You


Mozes and the Firstborn - I Got Skills

Donnerstag, 16. Mai 2013

Review: Dagobert - Dagobert


Was kann eigentlich Kitsch? Was darf er? Und darf ich das gut finden? Elementare Fragen, die aufkommen sobald man sich mit Popmusik auseinandersetzt. Als erstes schießen einem natürlich all die bösen Vorurteile von textlicher Redundanz in den Kopf, mit denen vor allen Dingen der deutsche Pop zu kämpfen hat. Um es dem geneigten Pop-Hörer jedoch leicht zu machen wird in Deutschland einfach zwischen Pop und Schlager unterschieden. Eigentlich ganz easy: Schlager Pfui, Pop hui. Dass das Ganze eben gar nicht so simpel ist, wie man meinen könnte, wurde schon durch die späten Werke der Hamburger Schule, wie Blumfelds Verbotene Früchte, oder durch die Veröffentlichungen von Andreas Dorau oder den Türen auf dem Berliner Label Staatsakt bewiesen.

Tatsächlich gelangt die Problematik bei Dagoberts selbstbetiteltem Debut an seine Grenzen. Während die bisher genannten Beispiele tatsächlich musikalisch nicht unbedingt direkt mit Schlager assoziiert werden müssten, könnte man Dagobert auch zum Musikantenstadl einladen und es würde sich garantiert kein Stammzuschauer über die abstruse Auswahl dieses Schweizer Künstlers beschweren. Ganz im Gegenteil: Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde Dagobert ganz vortrefflich aufgenommen werden. Der Grund liegt gar nicht unbedingt in der Musik selber, sondern tiefer unter der Oberfläche der einzelnen Songs. Denn ohne es direkt zu merken nehmen viele von ihnen, beispielsweise Ich bin zu jung, direkten Einfluss auf die Gefühlswelt des Hörers, ganz egal wie alt er ist, oder wo er herkommt. Dagoberts Botschaften sind universell.

Die bedingungslose Akzeptanz der Songs durch die Vertreter der Schlagerriegen gilt jedoch nicht unbedingt für das gesamte Album. Songs wie Hast Du auch so viel Spass oder Morgens um halb Vier sind einfach wesentlich zu schwermütig, als dass sie Florian Silbereisen herbeizitieren oder wenigstens dessen Fans beglücken könnten. Dagobert ist eben doch kein - wie er sich in einer Dokumentation selber bezeichnet - Schlagersänger, sondern eher ein geistiger Verwandter von dem ehemaligen Blumfeld-Kopf Jochen Distelmeyer. Stimmlich sieht es da schon ganz anders aus. Dagobert bedient sich nämlich seiner recht tiefen Kopfstimme und verpackt seine Worte in einen sehr angenehmen Schweizer Akzent. Zusätzlich wird Dagobert noch perfekt von Sizarr/Muso/Casper-Produzent Pink Ganter in Szene gesetzt.

Wenn man das alles liest, ergibt sich nur ein ungefähres Bild von dem, was man letztendlich von Dagoberts Debut erwarten kann. Allzu einfach es zusammenzufassen oder gar zu bewerten ist es letztendlich auch nicht. Doch wenn man Dagobert zuhört, erkennt man endlich die Antwort auf die Fragen zu Beginn. Kitsch kann alles. Er darf alles und du darfst es gut finden. Zumindest, solange Kitsch als Synonym für Dagobert herhält.


1. Bild
2. Für immer blau
3. Ich bin zu jung
4. Die ganz normale Liebe
5. Hast Du auch so viel Spass
6. In unserem Garten
7. Ich mag Deine Freunde nicht
8. Ich bin verstrahlt
9. Morgens um halb Vier
10. Raumpilot
11. Hochzeit
12. Raub

Zolin sagt: 8 von 10



Mittwoch, 15. Mai 2013

Heißer Scheiß: Ralfe Band


Heute begibt Zolin sich auf eine kleine Reise. Im Koffer mit dabei ist ein bunter Reiseführer namens Ralfe Band, der für heute das Kommando übernimmt und uns die Route navigieren wird. Ansprechpartner und Reiseleiter: Oly Ralfe, ein ziemlich komischer Kauz. Bitte alle anschnallen, es kann los gehen. Aber wohin geht denn nun die Reise überhaupt? Gute Frage. Müsste man sich einen Ort vorstellen, der den schrägen Folk, den Ralfe im Laufe der letzten Jahre so fabriziert hat, naturgetreu verbildlicht, so denkt man sich am besten in die vergilbten Seiten eines alten Märchenbuches, in eine Welt von Fabelwesen und florierender Phantasie. Wie sagt man doch so schön? Märchenstund hat Gold im Mund!

Der gute Mann muss eine äußerst lebendige Vorstellungskraft haben. Man höre sich einmal sein Debut Swords oder das darauffolgende Attic Thieves an und man erhält den Eindruck eines unerschöpflichen Phantasiereichtums. Wie ein Zauber schwirren Klavier, Kirmesorgel, Akkordeon, Glockenspiel und eine spanische Gitarre durch den Raum und kitzeln Trommelfelle mit verschiedenster, kurioser Folklore aus allen Ecken Europas. Die Kompassnadel kann sich einfach nicht entscheiden, ob sie lieber zum Polka klatscht oder sich den verwunschenen, französischen Melodien hingibt, in denen sich auch eine Amélie Poulain wiegen würde. Hält man sein Ohr ganz nah dran, schleicht im Hintergrund aber dennoch immer eine unterschwellige Rätselhaftigkeit mit, ganz im Stile Belle & Sebastians.

An einer Raststätte lässt Ralfe Zolin einmal in sein grandioses Drittwerk Son Be Wise schnuppern, welches Ende des Monats in die Läden kommen wird. Sehr betörend. Wer nun immer noch nicht so recht weiß, wie er sich die fiktive Reise der etwas sonderbaren Art letztendlich vorzustellen hat, der folgt einfach den Spuren der Diskographie. Stoßen wird er auf einen charmanten Soundtrack, den die Ralfe Band 2010 für den originellen Film Bunny and the Bull schusterte, der mit seiner abstrakten Pappmache-Welt sicherlich zur Visualisierung hilft. Spätestens damit sollte die Ralfsche Aura auch bis in die letzten Köpfe der Reiseteilnehmer diffundiert sein und sie mit in die surreale Odyssee gerissen haben. Zolin hängt schon in den Sternen. "Sie haben Ihr Ziel erreicht."