Mittwoch, 10. Oktober 2012

Review: Tame Impala - Lonerism


Irgendwie muss ja die Zeit in Australien stehen geblieben sein. Wie sonst ist es möglich, dass dort auch heute noch mehr als authentische späte 60er- frühe 70er Musik entsteht? Neben Wolfmother, sind die bekanntesten und besten wahrscheinlich Tame Impala, die sich von jetzt auf gleich mit ihrem edelm Debut Innerspeaker in den Mittelpunkt der heutigen Psychedelica katapultierten. Dementsprechend groß sind natürlich die Erwartungen an den Nachfolger und somit, um ihn zu betiteln, an Lonersism. Die Erwartungshaltung wurde sicherlich nicht gesenkt, als dann auch noch mit Elephant einer der besten Tracks, den Tame Impala je geschrieben haben, vorab veröffentlicht wurde.

Tame Impala, und dann sprechen wir hauptsächlich nur von Kevin Parker, dem Kopf der Band, wollten mit diesem zweiten Album einer Schubladenzugehörigkeit entfliehen und die Versuchung ausleben, etwas Verrücktes, Neues zu entwickeln. Parker hat sich einen Narren an der zuckersüßen Popmusik gefressen und so entstand der Wunsch, ungefähr so zu klingen, als hätte Britney Spears sich irgendwo zwischen die 60er und 70er geschlichen und ihren amerikanischen Plastik-Pop unter die Musikszene gemischt.

Aber hat das wirklich hörbare Konsequenzen? Nun ja, schwierig zu sagen, denn bei einer Band, die sich schon immer auf 60er Pop bezogen hat, fällt eine tatsächlich noch poppigere Richtung gar nicht mal so auf. Einzig die Synthesizer, die sich durch nahezu jeden Track ziehen, verstärken das Gefühl, zeitgemäßen Pop zu hören, etwas. Im konkreten Gegensatz dazu steht aber, dass die Höhen erneut rausgenommen worden und so Lonerism einen durchgehend dumpfen, verwaschenen Klang erhält, sich aber trotzdem nicht zu Lo-Fi orientiert anhört.

Gefüllt von der verträumten, tranceartigen Stimme Parkers, die sich wieder einmal mehr nach John Lennon anhört, hat sich Parkers hauptsächlich das innige Thema der Introspektion vorgeknöpft. Diese Art der Selbsterforschung entstand auf den Bandtouren und führte zur Einsicht, dass man ja doch letztendlich ein in sich gekehrter Einzelgänger, eben ein loner, sei. In dieser Hinsicht fungiert Lonerism als eine Art Prequel zu dem Debut Innerspeaker, denn wenn wir uns recht entsinnen, war hier der Protagonist von Anfang an der Einzelgänger und bei Lonerism geht es darum, wie er zu einem wurde.

Bei all dem Drumherum um Britney Spears, Einzelgänger und Lo-Fi, ist eine Frage bisher unbeantwortet geblieben. Wie gut ist denn Lonerism jetzt? Wieder einmal eine echte Glanzleistung. Ob man jetzt das Debut oder Lonerism für das bessere Album hält, sollte man getrost jedem Einzelnem überlassen, denn beide Alben sind absolut fantastisch.


1. Be Above It
2. Endors Toi
3. Apocalypse Dreams
4. Mind Mischief
5. Music to Walk Home By
6. Why Won’t They Talk to Me?
7. Feels Like We Only Go Backwards
8. Keep on Lying
9. Elephant
10. She Just Won’t Believe Me
11. Nothing That Has Happened So Far Has Been Anything We Could Control
12. Sun’s Coming Up

Zolin sagt: 8 von 10



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